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Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens

AG Säugetierkunde in NRW

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Säugetierarten. Probieren Sie es aus.

Wasserfledermaus

Daubenton′s bat

Rote Liste NRW: G Gefährdung unbekannten Ausmaßes

Myotis daubentonii

Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Foto: Holger Meinig
Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 45 - 55 mm, einer Unterarmlänge von 33 - 42 mm und einem Gewicht von 6 - 10 g gehört die Wasserfledermaus zu den kleineren Fledermausarten Europas. Ihr Fell ist dicht und die Farbe der Oberseite ist ein kaltes Braun. Die Unterseite ist merklich heller, grauweiß. Ohren und Flughäute sind dunkel graubraun gefärbt, die Schnauze fleischfarben. Wasserfledermäuse haben recht kurze Ohren. Bei Beunruhigung auch tief schlafender Tiere werden die Ohren waagerecht zur Seite gebogen. Ein bläulich schwarzer Pigmentfleck auf der Unterlippe ist besonders bei jungen Wasserfledermäusen ausgeprägt. Eine weitere Auffälligkeit sind die verhältnismäßig großen Füße.
Wasserfledermäuse werden gerne zu den sogenannten Waldfledermausarten gezählt, da sie im Sommerlebensraum für ihre Wochenstuben meistens Baumhöhlen nutzen. Dabei werden alte Specht- und Fäulnishöhlen in Stieleichen oder Rotbuchen bevorzugt. Aber sie beziehen auch Fledermauskästen oder Dehnungsfugen in Brücken. Vereinzelt finden sich Wochenstuben sogar in unterirdisch gelegenen Quartieren oder in Gebäuden. Die Wochenstubenkolonien umfassen in Nordrhein-Westfalen meist etwa 20 - 40 adulte Weibchen. Auch die Männchen bilden im Sommer gelegentlich Gruppenquartiere, häufig verbringen sie den Sommer jedoch einzeln.
Wasserfledermäuse jagen in charakteristischer Weise knapp über der Oberfläche von langsam fließenden oder stehenden Gewässern. Allerdings können sie auch im freien Luftraum Beute machen. Den größten Anteil der Nahrung machen Zuckmücken und Köcherfliegen aus.
Wasserfledermäuse bevorzugen Winterquartiere mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von etwa 3 - 8 °C. Diese Bedingungen sind z.B. in Höhlen, Stollen, Brunnenschächten und Eiskellern sowie in manchen Bunkeranlagen gegeben. Hier sind die Tiere häufig mit anderen Arten der Gattungen Myotis vergesellschaftet. In solchen Quartieren schlafen die Fledermäuse nicht nur, hier findet auch ein Teil der Paarungen statt und vor einigen dieser unterirdischen Räume lässt sich im Spätsommer und Herbst das sogenannte Schwärmverhalten der Wasserfledermäuse beobachten.

Wasserfledermäuse sind in Nordrhein Westfalen flächendeckend verbreitet. Schwerpunkte mit Wochenstuben finden sich im Bereich strukturierter Wald-Gewässerkomplexe mit einem ausreichenden Alt- und Totholzanteil. Um in einem Gebiet bestehen zu können ist für die Art das Vorhandensein insektenreicher und unbeleuchteter Gewässer mit einer offenen und ruhigen Wasseroberfläche sowie ein ausreichendes Angebot geeigneter Baumhöhlen notwendig. Weiterhin müssen geeignete Winterquartiere in erreichbarer Nähe sein.
Bedeutende Winterquartiere sind für Nordrhein-Westfalen aus den Mittelgebirgen Ost- und Südwestfalens sowie aus der Eifel bekannt. Es gibt jedoch auch sehr gut besetzte Winterquartiere in der Ebene. So ist aus dem Münsterland (Kreis Coesfeld) ein Quartier bekannt, in dem bis zu 3000 Wasserfledermäuse überwintern.
Zwischen den Sommerlebensräumen und ihren Winterquartieren können Wasserfledermäuse Wanderungen durchführen. So sind für NRW entsprechende Strecken von bis zu 60 km belegt.
Während für einige Fledermausarten in den zurück liegenden Jahrzehnten eine Zunahme zu verzeichnen ist, hat sich der Bestand der Wasserfledermäuse in NRW während dieses Zeitraums nicht wesentlich verändert.

Literatur:

  • DIETZ C, KIEFER A (2014): Die Fledermäuse Europas kennen, bestimmen, schützen. Stuttgart (Kosmos). 394 pp.
  • EBENAU C (1995): Ergebnisse telemetrischer Untersuchungen an Wasserfledermäusen (Myotis daubentoni) in Mühlheim an der Ruhr. - Nyctalus 5: 379-394.
  • GROSCHE L (2005): Untersuchungen zur Ökologie der Wasserfledermaus Myotis daubentonii (KUHL 1817) in Münster. - Diplomarbeit am Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
  • MEINIG H, VIERHAUS H, TRAPPMANN C, HUTTERER R (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Säugetiere in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand August 2011, in LANUV (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 2011. LANUV-Fachbericht 36, Band 2: 49-78.
  • SCHWERING T (2011): Untersuchung zum Vorkommen der Wasserfledermaus Myotis daubentonii (Kuhl, 1817) in der Umgebung der Gemeinde Buldern (Kreis Coesfeld, NRW). Bachelorarbeit am Fachbereich Landschaftsentwicklung der Hochschule Osnabrück.
  • STEINBORN G, VIERHAUS H (1984): Wasserfledermaus - Myotis daubentoni (Leisler in Kuhl, 1817). In: SCHRÖPFER R, FELDMANN R, VIERHAUS H (Hrsg.): Die Säugetiere Westfalens.- Abh. Westf. Mus. Naturkde., 46 (4): 101-107.
  • WINTERHAGEN S (2008): Telemetrische Untersuchungen an der Wasserfledermaus Myotis daubentonii (Kuhl 1817) in Münster. - Diplomarbeit am Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Textautor

Lena Grosche

Empfohlene Zitierweise

Grosche L (2019): Wasserfledermaus (Myotis daubentonii).In: AG Säugetierkunde NRW — Online-Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von saeugeratlas-nrw.lwl.org am 05.12.2019

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