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Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens

AG Säugetierkunde in NRW

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Säugetierarten. Probieren Sie es aus.

Großes Mausohr

Greater mouse-eared bat

Rote Liste NRW: 2 Stark gefährdet

Myotis myotis

Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Foto: Jan Ole Kriegs
Diese größte deutsche Fledermaus mit einer Flügelspannweite von bis zu 43 cm besitzt einen braunen Rücken und eine weiße Unterseite. Juvenile Tiere sind eher grau gefärbt. Im Gesicht dominieren die ausgeprägt große und kräftige Schnauze sowie die großen trichterförmigen Ohren. Für die Ernährung haben Laufkäfer, die am Boden erbeutet werden, besondere Bedeutung.
Die Wochenstuben des Großen Mausohrs befinden sich in meist großen Gebäuden mit geräumigen Dachböden etwa von Schlössern und Herrenhäusern. Es sind aber auch große Wochenstuben in Einfamilienhäusern bekannt sowie eine Wochenstube mit über 300 Weibchen zwischen Dachziegeln und Innenverkleidung eines zu Wohnzwecken ausgebauten Dachgeschosses. Die Wochenstubengesellschaften weisen eine sehr große Quartiertreue auf und auch Umbaumaßnahmen werden toleriert, wenn der Einflug örtlich unverändert bleibt.
Als Winterquartier werden alle Arten unterirdischer Hohlräume genutzt. Das Mausohr hängt in den Quartieren meist frei an der Wand oder der Decke und ist bei Kontrollen dann gut zu sehen. Besonders zum Ende des Winters (im März) sind die Mausohren in der Nähe des Ausflugs zu finden.

Während das Große Mausohr bis in die 1960er Jahre noch häufig war, kam es dann zu einem dramatischen Bestandsrückgang mit einem Tiefstand in den 1970er Jahren. Seit den 1980er Jahren erfolgte ein deutlicher Anstieg der Zahlen sowohl in den Wochenstuben als auch in den Winterquartieren. Der Bestand verdoppelt sich etwa alle 10 Jahre. Eine Erweiterung des Gebietes mit Wochenstuben konnte aber noch nicht festgestellt werden. In den Winterquartieren im Münsterland wurde die Art in den letzten Jahren aber häufiger gefunden und in Münster werden seit einigen Jahren auch Paarungsquartiere in Fledermauskästen nachgewiesen.
In NRW sind ca. 25 Wochenstuben mit insgesamt 2.800 adulten Weibchen (Stand 2005) bekannt. Die meisten davon liegen etwa nordöstlich einer gedachten Linie zwischen Ibbenbüren und Brilon mit einem Schwerpunkt im Kreis Höxter. Einige weitere große Wochenstuben sind in der Eifel sowie dem südlichen Bergischen Land bekannt. Eine isoliert liegende Wochenstube mit weniger als 10 Weibchen befindet sich am Niederrhein. Die Winterquartiere liegen vorwiegend im Bergland, in der Eifel, dem Bergischen Land, Siegerland, Sauerland, Eggegebirge, Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge. Mit Stand 2005 wurden ca. 600 bis 1.000 Große Mausohren in den Winterquartieren in NRW nachgewiesen. Daraus folgt, dass in den Winterquartieren nur ca. 10% des hochgerechnet vorhandenen sommerlichen Bestandes aller Mausohren gezählt werden.
In den Winterquartieren im Sauerland und im Bergischen Land wurden beringte Tiere aus Wochenstuben in Hessen und Rheinland-Pfalz nachgewiesen.

Literatur:

  • DIETZ C (2007): Mausohr Myotis myotis (Borkhausen, 1791). In: DIETZ C, VON HELVERSEN O, WOLZ I: Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas, Stuttgart: 252-259.
  • GüTTINGER R (1997): Jagdhabitate des Großen Mausohrs (Myotis myotis) in der modernen Kulturlandschaft. Schriftenreihe Umwelt Nr. 288, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL (Hrsg.), Bern.
  • HUTTERER R, IVANOVA T, MEYER-CORDS C, RODRIGUES L (2005): Bat Migrations in Europe - A Review of Banding Data and Literature. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.), Bonn, Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft Nr. 28.
  • MEINIG H, VIERHAUS H, TRAPPMANN C, HUTTERER R (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Säugetiere in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand August 2011, in LANUV (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 2011. LANUV-Fachbericht 36, Band 2: 49-78.
  • MESCHEDE A (2012): Ergebnisse des bundesweiten Monitorings zum Großen Mausohr. BfN-Skripten 325, Bundesamt für Naturschutz, Bonn.
  • RUDOLPH B-U, ZAHN A, LIEGL A (2004): Mausohr Myotis myotis (BORKHAUSEN, 1797). In: Meschede A, Rudolph B-U: Fledermäuse in Bayern, herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz, Landesbund f. Vogelschutz in Bayern und Bund Naturschutz in Bayern, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., 203 - 231.
  • Textautor

    Carsten Ebenau und Carsten Trappmann

    Empfohlene Zitierweise

    Ebenau C, Trappmann C (2020): Großes Mausohr (Myotis myotis).In: AG Säugetierkunde NRW — Online-Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von saeugeratlas-nrw.lwl.org am 04.12.2020

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