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Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens

AG Säugetierkunde in NRW

Der Atlas zeigt Ihnen auf Basis von Topographischen Karten das Vorkommen heimischer Säugetierarten. Probieren Sie es aus.

Braunes Langohr

Brown long-eared bat

Rote Liste NRW: G Gefährdung unbekannten Ausmaßes

Plecotus auritus

Startjahr

Endjahr

 

Artfoto
Foto: Jan Ole Kriegs
Das Braune Langohr ist eine mittelgroße Fledermaus mit sehr großen Ohren. Sie sind fast so lang wie der Rumpf des Tieres und werden in Ruhe nach seitlich-hinten eingefaltet. Bei winterschlafenden Tieren sind die Ohren unter den Flügeln verborgen und nur die Ohrdeckel stehen aufrecht vom Kopf ab. Die Fellfärbung ist am Rücken und Kopf braun, am Bauch hellbraun oder gelblich weiß. Die Flügel sind sehr breit, dünnhäutig und ebenso wie die Ohren braun gefärbt. Zwischen der Nase und den Augen befinden sich aufgewölbte Drüsenpolster.
Bei der Nahrungssuche sind Braune Langohren wenig wählerisch, wobei sie viele Insekten und Spinnen im Rüttelflug von der Vegetation ablesen. Dennoch bilden im Fluge erbeutete Schmetterlinge die Hauptnahrung. Mehrschichtige Laubwälder sind bevorzugte Jagdgebiet, aber auch andere Waldtypen, Hecken, Obstgärten und ländliche Siedlungen werden genutzt. Der Aktionsraum einer Wochenstubenkolonie ist etwa 100 ha groß, wobei die Kolonietiere verschiedene Quartiere im Verbund nutzen, zwischen denen sie alle 2 - 4 Tage wechseln können. Zur Nahrungssuche entfernen sich Braune Langohren in der Regel nur wenige hundert Meter weit von ihrem Quartier.
Als Sommerquartiere werden Baumhöhlen bevorzugt, daneben auch Spalten hinter abstehender Rinde und oft Nist- bzw. Fledermauskästen. Regelmäßig werden Braune Langohren auch auf Dachböden von Kirchen oder kleineren Gebäuden in Waldnähe angetroffen. Quartiere in Bäumen wurden vom Kronenbereich bis zum Stammfuß gefunden. Die überwinterung erfolgt in unterirdischen, z.T. sehr kühlen Quartieren. Vereinzelt wurden winterschlafende Tiere auch in Baumhöhlen festgestellt. Die Sommer- und Winterquartiere sind selten weiter als 20 km von einander entfernt.
Die Wochenstuben umfassen meist 5 - 25 Weibchen, selten bis zu 100. Ab Mitte Mai sind die Wochenstubenkolonien versammelt und im Juni werden die Jungen geboren. Von Mitte August bis in den September ist offenbar Balzzeit, in der oft spezielle Schwärm- und Paarungsquartiere aufgesucht werden. Der Winterschlaf dauert von Ende November bis Anfang März. In dieser Zeit können die Tiere mehrfach ihren Hangplatz oder sogar das Quartier wechseln.

Die Echoortungsrufe Brauner Langohren sind leise und werden in sehr schneller Folge abgegeben. Mit Fledermausdetektoren sind Braune Langohren daher schlecht zu erfassen, doch jüngere Menschen können die herbstlichen Sozialruf-Serien hören. Wegen ihrer weiten Verbreitung und guter Bestände zumindest in Teilen NRWs wird das Braune Langohr als insgesamt mäßig häufig eingeschätzt. Ein langfristiger Bestandsrückgang als Folge vieler Quartierverluste durch Holzeinschlag und Gebäudesanierungen ist jedoch anzunehmen.

Literatur:

  • HEISE G, SCHMIDT A (1988): Beiträge zur sozialen Organisation und Ökologie des Braunen Langohrs. Nyctalus 5: 445-465.
  • KRANNICH A, DIETZ M (2013): Ökologische Nische und räumliche Organisation von Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii und Braunem Langohr Plecotus auritus. In DIETZ M (Hrsg.): Populationsökologie und Habitatansprüche der Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii. Laubach: 131-148.
  • MEINIG H, VIERHAUS H, TRAPPMANN C, HUTTERER R (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Säugetiere in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand August 2011, in LANUV (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 2011. LANUV-Fachbericht 36, Band 2: 49-78.
  • SCHRÖPFER R, FELDMANN R, VIERHAUS H (Hrsg.): Die Säugetiere Westfalens. Abh. Westf. Mus. Naturkunde 46 (4): 111-116.
  • Textautor

    Peter Boye

    Empfohlene Zitierweise

    Boye P (2020): Braunes Langohr (Plecotus auritus).In: AG Säugetierkunde NRW — Online-Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens. Heruntergeladen von saeugeratlas-nrw.lwl.org am 14.08.2020

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